Cinematic Snakepit

Filme, Comics, Musik und das Leben...
 
 

Fängt mit "Au" an, hört mit "O" auf...

Ja, jeder weiß wovon ich spreche, wenn ich diese alte Weisheit rauskrame. Erst grad wieder hab ich erneut einen Kostenvoranschlag in astronomischer Höhe bekommen - für ein Verschleißteil - sicherlich nach über 200.000 Km Laufleistung verständlich. Aber muss das sein? Wir alle wissen: Autos verschmutzen die Umwelt, kosten Geld, stinken, machen Arbeit und kosten Nerven. Trotzdem fährt die Menschheit Auto - Auf aufkeimenden Markt China fährt inzwischen auch ein Großteil der Leute Auto, bei einem 1,3 Milliarden Menschen umfassenden Volk doch schon eine erschreckende Zahl. Würde die Welt aufhören sich zu drehen, wenn nicht Milliarden von Autoreifen sie täglich antrieben? Vermutlich nicht.

Aber andersrum ist das Auto doch liebgewonnener Freund, bester Freund des berufstätigen Menschen - denn der hat für den Hund ohnehin kaum Zeit. Wohl aber um Stunden über Stunden im liebsten Vierräder zu verbringen. Obwohl er viel mehr Geld und Zeit kostet als der Vierbeiner, der einen immerhin mal raus an die frische Luft treibt.

Ist das also Kritik am Auto? Jain - denn ein Leben ohne (schöner Euphemismus) "Mobilität" wäre ja furchtbar. Allein Einkäufe tätigen ohne zumindest die Strecke vom Markt bis vor die Haustür zu überbrücken. Auf die Bahn angewiesen sein? Die fährt doch eh wie sie will, dann lieber "geplant" 2 Stunden Stau und gleichzeitig mit dem Bahnfahrer daheim ankommen. Dann hatte ich es wenigstens warm und konnte Musik hören...MOMENT, ist ja das gleiche in Grün!?

Also doch lieber abschaffen! Doch halt, wie soll ich dann zu Konzerten kommen, ins Stadion, zu Verwandten am "Anus" der Welt? Keine Ahnung, aber Umzüge ohne die Vierfach-Gummierung gehen doch mal überhaupt nicht klar. 

Tja, notwendiges Übel - ich hol gleich nen Kübel..wenn ich mal wieder auf die nächste Rechnung gucke, auf die kommende Versicherung, den Steuerbeitrag, die Spritpreise und überhaupt alles was kostet-kostet-kostet. Bald bin ich nicht mehr mobil, finanziell nicht mehr machbar, zumindest so lange werde ich Erfahrungen damit sammeln was es heißt, "Immobilie" zu sein - bis dahin "keep on rollin´" - auch wenns wehtut.

12.3.13 14:11, kommentieren

Früher war alles besser !?


Tja, lange nichts gebloggt, aber auch keine Lust gehabt. Jetzt hab ich was zu posten, ein Album-Review zum neuen Bon Jovi Album. Aber das spricht ja für sich selbst, was postet der dann hier überhaupt noch irgendwas wird man sich vielleicht fragen?

Naja, eigentlich gehts auch viel mehr um die "Früher war alles besser"-Thematik. War es das? Ich meine, so viel früher gabs micht nun nicht, wobei es schon wieder 26 Jahre sind die ich hier rumeiere, wodurch ich ja schon fast wehmütig auf die "guten alten Zeiten" zurückblicken darf ohne mich gänzlich lächerlich zu machen.

So, also, früher war alles besser? Ich mein zum einen klar, man hatte weniger Verantwortung, weniger Streß, weniger Ärger, aber man hatte auch weniger. Weniger Geld, weniger Möglichkeiten - weniger Ansprüche? Ja, eigentlich auch. Als Kind denkst du nicht weiter als bis zum nächsten Weihnachten, wenn du endlich die große Lego-Ritterburg bekommst (hoffentlich), oder heute wahlweise auch die neue Playstation/X-Box/Konsole XYZ. Sind die Kinder heute glücklicher? Keine Ahnung, fetter aber garantiert. Und sie haben plötzlich alle ADHS, Laktose-Intoleranz und Asthma und alles was man sich so vorstellen kann. Ein normales, gesundes Kind dem man nicht irgendwas Seltsames andichten kann ist doch heute schon abnormal.

Kann man sicherlich nicht alles über einen Kamm scheren, aber der Grundton heute hört sich etwa so an "Mein Jeremy hat ADHS, der kann nicht still sitzen (außer wenn er vor seiner Playstation sitzt ?!?)" - stellt sich doch die Frage, warum wir das alle damals nicht hatten? Richtig, vielleicht weil wir uns mit uns noch beschäftigen konnten ohne technische Hilfmittel. Ein Haufen Sand mit ein wenig Dreck und schon hatte man was zu tun (und Mutter später auch ;-) ). Aber was sagt das über heute aus, also das Heute was MICH betrifft - so als 26-jährigen.

Ich blicke nicht unbedingt wehmütig auf alles zurück. Sicher, Bon Jovi haben damals noch etwas "fetter" gerockt, aber machen sie dadurch heute schlechtere Musik? Nope, immer noch tolle Texte, einprägsame Musik die einfach gut fürs Gemüt ist, also alles beim Alten - aber eben ohne Stagnation, was per se ne klasse Sache ist ;-)

Und Film und Fernsehen? Jaaaa, Film hat sich bis auf den größeren Computer-Einfluss nicht groß geändert, der Schnitt ist vielleicht anders, aber es gibt immer noch tolle Filme und großen Bockmist, die meisten tollen Darsteller gibts noch und aus dem nervigen Charmbolzen Leo di Caprio ist n richtig toller Schauspieler geworden, also von wegen früher war alles besser.

Sicher, im Fernsehen haben sich die Ergüsse von Leute durchgesetzt, die ich am liebsten weder angucken noch reden hören und um die ich auf der Straße nen großen Bogen machen würde, aber keiner zwingt mich den Bockmist zu schauen, oder? Von daher, es gibt ja auch noch gutes Programm zum Teil. Und ansonsten gibts auch das Internet wo sich viel interessantes finden lässt. Und Bücher gibts ja auch weiterhin, weshalb ich nicht gezwungen bin mir überhaupt was von dem Scheiß anzutun.

Also Fazit? Ja, früher war so manches besser, so manches war anders, aber manches war auch schlechter. Unterm Strich führt das vor allem zu einer Erkenntnis: Hört doch verdammt noch mal auf über das zu jammern was ihr nicht mehr habt und freut euch an dem was ihr habt! Kümmert euch um eure Kinder, dann bekommen sie auch kein ADHS, zeigt ihnen die guten Filme eurer Jugend oder die tolle Musik eurer Vergangenheit. Nehmt euch die Zeit, gebt euch den Freiraum und sorgt dafür dass die kommenden Generationen das bekommen was ihr hattet: Eine Kindheit. Dann werden die auch irgendwann mal zurückblicken und mit leicht verklärtem Blick sagen "noch mal Kind sein" - Und das dann nicht weil sie den Highscore im letzten Shooter geknackt oder weil sie jedes verdammte Spiel auf der PlayStation 2 gezockt hatten - NEIN, eher weil sie tolle Erinnerungen mit ihren Eltern, Freunden, der Familie hatten. Denn so gehts mir, für mich ist das Schöne an meiner Kindheit gewesen, dass ich eine hatte!

8.3.13 14:23, kommentieren

Bon Jovi - What about Now

Die Songs:

1. Because we can:
Zunächst mal ungemein catchy, endlich mal kein weiterer It´s my Life-Klon als Opener. Insgesamt ein Song mit Ohrwurmcharakter, wenn auch nicht unbedingt genial. Unterm Strich ein sehr solider Song, nicht viel mehr. 6/10

2. I´m with you:
Lässt sich sehr langsam an. Kommt dann gut in Tritt, bleibt aber im unteren Tempobereich, was jedoch nicht stört. Hat etwas hymnenhaftes. Die Lyrics gefallen mir persönlich sehr gut, wirklich schön. Außerdem hat der Song verdammt kraftvollen Gesang. Dazu kommt ein cooles Solo von Richie ab etwa 2:20, was den Song dann nochmal ne ordentliche Ecke in der Wertung nach oben reißt und ein "Öffnen" zum Ende hin, wodurch er sich extrem rund anhört. Starkes Stück - 9/10

3. What about now:
Der Titeltrack, die sind ja häufig ganz gut. Der Anfang hört sich recht stark nach Lost Highway (dem Album) an, was aber nicht schlecht ist. Erneut eine ganz andere Richtung als die andern beiden Songs. Gute Melodie, treibender Rhytmus, sehr schöner Chorus, wenn auch etwas zu sehr ein Nicken Richtung "It´s my Life". Auf jeden Fall tierischer Ohrwurmsong. Dazu die interessanten Synthie-Sounds in der Mitte, die den Song "anders" klingen lassen und die recht BJ-typischen Breaks gegen Ende, die nochmal Schwung reinbringen. Klassischer Single-Song, insgesamt sehr gut hörbar, fühlt sich gut an. 7/10

4. Pictures of you:
Der Anfang ist irgendwie extrem prompt und überrumpelt einen etwas. Danach wie ich finde unheimlich schöne Lyrics, die Richtung Gänsehaut gehen und dann ein "Chorus", der in den Song eingewoben ist, was ich für Bon Jovi eher untypisch finde, aber richtig gut. Erneut ein etwas anderer Stil, modern pop-rockig, voller Klang, treibend und dazu gibts wieder ein schönes Solo plus Breaks die dem Song die Richtung wiedergeben. Für mich ein ziemliches Highlight des Albums, gefiel mir direkt, könnte einer meiner Lieblinge werden 10/10

5. Amen:
Erster Akustik-Song und wieder ne neue Richtung. Fängt sehr ruhig an, Jon singt wirklich stark hier und trägt den Song vorwiegend mit seiner Stimme begleitet von Richies sehr reduzierter Akustik-Gitarre. Durch die Streicher, das Schlagzeug im Hintergrund und die zarten Percussions mehr Fülle im Song, bevor die Orgelsounds einsetzen. Der Song füllt sich mit steigender Dauer immer weiter und wird zum richtigen Gänsehaut-Produzenten. Die Lyrics sind erneut wirklich schön (auch wenn das Amen wie ein "Ey Man" klingt, was aber nur geringfügig befremdlich ist...) Insgesamt wirklich schöner Song, der sich mit jedem Hören besser anfühlt. 8/10

6. That´s what the water made me:
Wieder neu neue Richtung, der Anfang ist sehr treibend und geht direkt gut in die Füße. Toller Rhythmus, super Feeling, schöne wenn auch etwas sonderbare Lyrics, sehr cooler Chorus und treibendes Schlagzeug. Dazu wieder ein Solo und schöne Gitarrenarbeit. Der sehr poppige Teil im letzten Drittel mit den Elektro-Beats stört interessanterweise überhaupt nicht und gibt dem Song wieder was Eigenes. Insgesamt aber ne tolle Nummer, die zum rumtanzen einlädt. 8/10

7. What´s left of me:
Der Einstieg wieder mit Akustik-Gitarre, geht recht schnell in Richtung der Country-Anleihen von Lost Highway (erneut). Danach rockt der Song in recht klassischer Manier locker vor sich hin, erstmals kein so starker Stilbruch zum letzten Song, aber trotzdem ne andere Richtung. Die Lyrics sind okay, hatten wir aber irgendwie schon mal. Insgesamt einen Tick zu beliebig und die "Hey, Hey"s nervten mich auf den letzten Alben schon häufiger. Das Solo reißt wieder etwas raus und hebt den Song nicht unbedingt sehr an, freut einen aber dann wieder. Allerdings ist der Part mit den Claps, der den Song wieder auf Tempo bringt gegen Ende schön gemacht. Unterm Strich zwar catchy aber trotzdem zu beliebig. 5/10

8. Army of one:
Drumeinstieg - wieder was Neues, wieder was Eigenes im Gegensatz zu den anderen Songs. Der Rhythmus gefällt, die Lyrics sind okay, aber etwas zu sehr Livin´ on a Prayer/It´s my Life, zu sehr "Nicht aufgeben, alles wird gut". Im Chorus-Bereich hat man sich dann irgendwie "untertroffen", ziemlich flach, nicht unbedingt klasse. Das Solo hört sich gut an und gibt dem Song dann doch einen Hauch von Epik, unterstützt durch die folgende Passage - was dann aber durch einen erneuten Chorus wieder zunichte gemacht wird - nur um dann durch eine ausgedehnte Instrumentalpassage wieder aufgegriffen zu werden und sehr nice auszuklingen. Zwiespältige Sache, instrumental teils sehr nice, die Lyrics sind aber eher Kopf->Tisch macht dann wieder 5/10

9. Thick as Thieves:
Hier musste ich zugegebnermaßen erstmal googlen was diese Redewendung denn überhaupt bedeutet, weil mir der Titel zu strange anmutete. Danach musste ich dann allerdings sofort an Jon und Rich denken - gute Grundvoraussetzung. Der Song ist wieder GANZ anders als der Rest des Albums mit seiner tollen Pianoline. Die Lyrics sind richtig schön und der Songaufbau gefällt auch absolut. Ein Gänsehaut machender Song über Freundschaft und das Zusammenhalten, auch wenns in den Lyrics dann um Freundschaft Mann-Frau geht. Dadurch dass dann Richie und Jon im Duett singen geben sie dem Song dadurch doch das Gefühl, dass es im Kern um die beiden geht. Der Song ergreift einen, die Lyrics sind super, man bekommt Gänsehaut und fast Tränen in den Augen. Klasse! Richtig starke Nummer. 10/10

10. Beautiful World:
Wieder ein treibender Song mit schnellerem Rhythmus. Die Lyrics sind zwar nicht unbedingt etwas besonderes, sind aber trotzdem schön. Die Instrumentierung wird recht schnell dichter und geht dann voll klar. Durch das recht hohe Tempo geht der Song jedoch wieder in die Beine und man wippt unbewusst sofort mit. Gute Uptempo-Nummer zum auflockern, außerdem ist die Gitarrenarbeit echt schön. Mir gefällts 7/10

11. Room at the end of the World:
Interessanter Einstieg, recht ruhig, stilistisch wieder ne andere Richtung, insbesondere im Kontrast zum schnellen Beautiful World. Gesanglich wieder richtig hervorragend, die Gitarrenarbeit ist ebenfalls sehr schön zum Teil. Der Aufbau ist cool, der Song "wächst" über die Laufzeit und wird immer dichter. Dazu gibt es erneut schöne Backing-Vocals von Richie. Die Lyrics sind etwas eigen, aber trotzdem recht schön. Insgesamt sicherlich kein totales Highlight, aber durch die Pianopassage gegen Ende, die tolle Instrumentierung und den wirklich starken Gesang von Jon dann doch ein Song der ein gutes Gefühl hinterlässt. 7/10

12. The Fighter:
Absolut ruhiger aber melodisch richtig toller Akustik-Einstieg in den Song, klasse auf den Gesang abgestimmt. Hört sich sehr speziell aber gut an. Die Lyrics erinnern mich zwar geringfügig von der Thematik her an Last man Standing, besitzen jedoch genug Eigenständigkeit um trotzdem zu überzeugen. Der Chorus geht in diesem sehr ruhigen Stil absolut klar und Jons Gesangsleistung ist erneut wirklich hervorragend. Er trägt gemeinsam mit der ruhigen Akustik-Gitarre den Song problemlos und verleiht ihm etwas besonderes. Dazu kommen erneut sehr schöne Passagen gemeinsam mit Richie im Hintergrund - diese beiden Stimmen vereint klingen einfach klasse. Die Streicher und Trompeten zu Beginn des letzten Drittels passen hervorragend ins Gesamtbild und runden einen insgesamt sehr guten Ausklang des Albums ab. Auch die schöne Struktur die den Beginn des Songs am Ende nochmal aufgreift ist toll. 9/10

Bonustracks lasse ich jetzt mal unbeachtet, da sie für meine Begriffe jetzt nicht direkt zum Album gehören. Zumal sie ja auch zum Teil nichtmal exklusiv für What about now geschrieben wurden. Von daher fallen sie für mich aus der Wertung.

Fazit:
Insgesamt ist das Album verdammt vielseitig geworden mit ungemein vielen unterschiedlichen Einflüssen und Richtungen. Trotzdem ist es rund geworden und fühlt sich gut an. Musikalisch vielleicht wieder etwas ruhiger als The Circle und mehr Richtung Lost Highway, trotzdem ein stellenweise recht angenehm rockender Output. Dass Bon Jovi nie wieder so "hart" werden wie früher sollte jedem klar sein, wer sich jedoch mit dem Stil seit Have a Nice Day anfreunden kann wird auch hier nicht enttäuscht werden. Sicherlich ist vieles davon reichlich Radiokompatibel und poppig, aber daran hab ich mich noch nie gestört. Die Songs glänzen teils durch klasse Lyrics, Jons Gesang ist klar, deutlich und richtig gut. Die Instrumentierung ist größtenteils ebenfalls absolut gelungen, es gibt einige Solos, recht viele Streicher, ein paar richtige Pianopassagen und Drumsolos haben Bon Jovi ja noch nie ausgezeichnet. Tico ist gewohnt dezent und gibt den Rhythmus vor, passt so.

Alles in allem kann man sagen die Scheibe ist gelungen und wird sicher mit den nächsten Paar Durchläufen noch zulegen, war bei The Circle auch schon so. Für mich jedenfalls n guter Output, aber sicherlich nicht so genial wie The Circle, die mE keine Ausfälle hatte und das stärkste Album seit Bounce war.

Macht dann unterm Strich: 8/10, was der Platte sicherlich auch völlig gerecht wird und schon in Hinblick auf die Steigerung mit der Zeit dann aufgerundet ist.

8.3.13 14:02, kommentieren

link

http://www.moviejones.de/

26.7.12 09:46, kommentieren

Linkin Park are back! - Living Things Review

 

12 Jahre nach ihrem absolut genialen Debut-Album Hybrid Theory kommen Linkin Park mit ihrem neuen Werk Living Things endlich wieder da an, wo sie die ganze Zeit hingehörten. The true Hybrid Theory könnte man Living Things wohl nennen, es hört sich nämlich letztlich wie die konsequent zuende gedachte Idee des Hybriden an, als der Linkin Park sich zu Beginn ihrer Karriere präsentiert  haben.

 

Rezension:

Auf dem Album wechseln sich harte mit ruhigeren Stücken ab, treibende, ja regelrecht voranpeitschende mit fast schon als besinnlich zu bezeichnenden. Dabei wird es von Anfang bis Ende nicht langweilig, sondern bietet mit jedem Stück etwas Eigenes. Die Elektronik-Elemente der Vorgängeralben, die mit dem letzten Output A Thousand Suns unangenehm überhand genommen haben und das Album für viele Fans zur Enttäuschung werden ließen, wurden nun wieder gezielt zur Unterstützung des Bandeigenen Sounds genutzt und sorgen mit dafür, dass Linkin Park wieder wie sie selbst klingen. Dazu gesellen sich gewohnt Rap- und Metalelemente, gepaart mit eingängigen Melodien und Refrains die sofort ins Ohr gehen. All das wird wie früher vorgetragen von den beiden Stimmen Mike Shinodas und Chester Benningtons, die mehr denn je perfekt harmonieren. Mitunter singen sogar bei einzelnen Tracks wie Roads Untravelled beide gemeinsam, wodurch ein ganz eigener Klang entsteht, der für Gänsehaut sorgt.

 

Songs und Sound:

Die Songs  bieten im Grunde für jeden Geschmack etwas und das Album legt mit Lost in the Echo sehr gut los und bietet direkt einen der besten Songs der jüngeren Bandgeschichte mit allem was die Band ausmacht, Raps, Gesang, alles drin. Vor allem das enorm gute In my Remains sorgt jedoch dafür, dass das Album gleich zu Beginn einen so genialen Eindruck hinterlässt wie zuletzt Meteora 2002. Bei In my Remains wechseln sich treibende und sehr rockige Passagen mit den stilleren Strophen ab, bevor der Song gegen Ende in einem großartigen Schlussakt gipfelt, der Gänsehaut bereitet. Ein wirklich beeindruckendes Stück. Mit Burn it Down hat man leider bereits einen der schwächsten Tracks des Albums ausgekoppelt. Es mag zum Teil der Tatsache zu schulden sein, dass der Song bei der EM dermaßen totgenudelt wurde, dass man ihn kaum mehr hören mochte, aber vor allem liegt es an den sehr vorausschaubaren Songstrukturen und dem durchgehenden Midtempo, dass der Song nicht richtig fetzt. Klar, er geht ins Ohr, aber insgesamt ist das ein bisschen zu sehr 08/15, zu gewollt Single.

 

Richtig Zunder gibt anschließend aber wieder Lies Greed Misery, der beim ersten Hören zwar sehr verwirrend klingt und mit vielen Stimmungswechseln aufwartet, aber sich zunehmend zum Geheimtip des Albums entwickelt, je öfter man ihn hört. Mikes Raps wechseln sich mit Chesters Shouts ab, der zum Ende des Songs hin nochmal richtig aufdrehen darf. Dieses scheinbar wirre durcheinander an Ideen wächst zu einem genialen Ganzen zusammen, was einen beeindruckt zurücklässt. Ganz großes Tennis, bevor es mit I´ll be Gone erneut einen amtlichen Rocker zu verzeichnen gibt, der mit großer Dramatik, tollen Strophen und einem genialen Refrain aufwarten kann. Zudem stellt der Song eine von Chesters besten Gesangsleistungen auf dem Album dar. Mit viel Gefühl und kräftiger Stimme gesungen, dazu der sehr straighte Sound, ein wuchtiger und sehr guter Song.

 

Absolutes Highlight des Albums ist der folgende Song Castle of Glass, mit seinem eher metallisch-elektronisch klingenden Beginn  und den Keyboards kreiert er zunächst eine interessante Stimmung, die dann von Shinodas toller Stimme durchbrochen wird die dem Song Richtung gibt. Anschließend schleicht sich immer wieder Chesters Stimme dazu, was einfach gut klingt. Der Song nimmt immer mehr an Tempo zu und die einzelnen Instrumente schalten sich nach und nach ein, wodurch die Kulisse immer dichter wird und einen am Ende schlicht beeindruckt entlässt. Ein wirklich toller Song, wenn auch eher ruhig gehalten. Mit dem anschließenden Victimized wird diese Stimmung jedoch direkt wieder gebrochen und der absolute Brecher des Albums tritt ins Licht. Shinodas treibende Strophen gepaart mit animalischen Shouts seitens Chester, dazu knallharte Gitarren und scheppernde Drums, ein Song der umhaut. Leider mit unter 2 Minuten viel zu kurz beeindruckt dieses kurze Intermezzo trotzdem absolut und bleibt direkt im Kopf hängen, bevor die Platte mit Roads Untravelled sofort wieder das Tempo rausnimmt. Der ruhige Song mit den Klavier- und Glockentönen und einer wunderschönen Stimmung ist ebenfalls Gänsehautlieferant und gefällt sehr. Zudem besitzt er mit die schönsten Lyrics des gesamten Albums, die ohnehin gewohnt gut ausgefallen sind.

 

Mit Skin to Bone rocken und rappen Linkin Park im klassischen Stil weiter. Treibender Sound, schöner Rhythmus, gute Strophen die sich mit dem Refrain zusammentun. Angenehmer Song, gut zu hören, wenn auch kein absolutes Highlight. Einen weiteren Ausbruch leistet sich das etwas aus dem Rahmen fallende Until it Breaks. Gangster-Harte Raps von Mike knallen einem um die Ohren und der bisherige Stil des Albums wird komplett durchbrochen. Ärgerlich, wenn auch nicht als Totalausfall zu werten. Wenn Chester das Geprügel durchbricht macht der Song auch wieder wirklich Spaß und bringt die Stimmung zum Ende hin wieder in die richtige Spur. Mit dem anschließenden elektronischen Bridge-Song Tinfoil wird auch schon die Brücke zum Finale Powerless geschlagen, das erneut mit großartigen Lyrics aufwartet. Wieder ein eher ruhiger Song mit Weltuntergangs-Charakter macht das Stück alles richtig. Gänsehaut verursachende Strophen, absolut geniale Refrains, dazu der überragende Gesang Chesters, der hier noch einmal alles rausholt und mehr denn je mit viel Gefühl singt. Ein absolut gelungener Abschluss zu einem fast vollständig runden Album.

 

Eindrücke:

Man hat das Gefühl nach Hause zu einem guten Freund zu kommen der fast verloren schien, wenn man Living Things hört. Linkin Park sind wieder da, wo sie zu Beginn waren, aber endlich wieder richtig gut. Meteora war, wenn man ehrlich ist nicht viel mehr als ein Remake von Hybrid Theory, wenn auch ein verdammt gutes. Minutes to Midnight war eher als "ganz okayes" Experiment zu werten, dass nicht vollständig überzeugte und von A Thousand Suns mag ich gar nicht sprechen, aber dieses Album hat wieder alles was man sich von LP wünscht. Tolle Songs, eine geniale Stimmung, richtig gute Lyrics und nur ganz wenig was nach Füllmaterial klingt. Okay, Tinfoil hätte man sich wohl sparen können, Burn it Down ist auch nicht unbedingt der absolute Bringer und Until it Breaks ist auch nur zum Teil ein toller Song, trotzdem haut einen das Album insbesondere auch nach der sehr gesunkenen Erwartungshaltung in Folge des missglückten Vorgängers absolut aus den Socken.

 

Fazit:

Linkin Park sind einfach wieder Linkin Park und sie haben alles im Gepäck, was sie für mich als Fan immer ausgemacht haben. Raps, Elektronische Beats von Mr. Hahn, animalische Shouts von Chester, dazu großartiger Gesang und Songs mit Ohrwurm-Charakter. Nach nunmehr 3 Wochen Dauerrotation (etwas das sehr lange kein Album mehr bei mir geschafft hat) habe ich mich immer noch nicht an dem Album sattgehört und bin nach wie vor richtig geflasht von dem, was Linkin Park hier endlich wieder geschaffen haben. Noch weit Konsequenter sind die einzelnen Elemente, die die Band immer ausgemacht haben eine Symbiose eingegangen, wodurch der Sound unverwechselbar und einfach genial geworden ist und trotzdem die Wurzeln der Band hören und spüren lässt. Klasse!

 

Ich vergebe gemessen an der Tatsache, dass das Album mit der Zeit nur noch besser wird satte

9/10 Punkte

für dieses sehr geniale Werk mit ganz wenigen Schwächen, dass mich von vorne bis hinten beeindruckt und umgehauen hat. LP are back! Und wie!

12.7.12 11:01, kommentieren