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Die Auferstehung der 80er Jahre Actionhelden

Sylvester Stallone hats getan, Bruce Willis war nie weg und Arnold Schwarzenegger ist ebenfalls auf dem besten Weg dahin. Doch woher kommt es, dass die alten Haudegen der 80er Jahre Actionfilme, unsere Ikonen der Jugend, den Weg zurück ins harte Leinwandfach suchen?

Bei Stallone war es sicherlich der unbedingte Wille sich erneut zu beweisen, der ihn dazu trieb 16 Jahre nach dem missglückten fünften Rocky-Film noch einmal die Tortur des Trainings hinter sich zu bringen und Rocky Balboa zu drehen. Mehr als alle anderen Teile ein autobiografisches Werk, mit dem er seinen Niedergang und den Weg zurück ins Rampenlicht beschreibt, der ja vor dem Film nicht einmal feststand. Während die anderen Teile jeweils Lebensabschnittsportraits waren, die ihn als das zeigten, was er zu der entsprechenden Zeit darstellen wollte, war es in Rocky Balboa vielmehr ein Wunschtraum, den Stallone auf die Leinwand brachte. Der letzte große finanzielle Erfolg lag viele Jahre zurück und auch wenn er mit Cop Land 1997 durchaus beiwesen hat, dass er immer noch ein grandioser Darsteller ist, kam es nie dazu, dass er sich in einem Fach außer dem Actionfilm ernsthaft etablierte.

Stallones Karriere befand sich auf Talfahrt, daran konnten mittelprächtige Filme wie Driven 2001 auch nichts mehr ändern. Über die Jahre wurde es sehr still um den einstigen Titanen. Doch dann kamen erste Gerüchte über Stallones Wunsch, die Rocky-Reihe zu einem versöhnlicheren Abschluss zu bringen auf. Von quasi allen Seiten eher belächelt und fast spöttisch aufgenommen war dieser späte Versuch an alte Glanzzeiten anzuknüpfen praktisch im Vorfeld bereits zum Scheitern verurteilt. Doch dann kamen erste Trailer auf, der Film bekam ein ernsteres Gesicht, schien sich wieder mehr am dramatischen Original zu orientieren als insbesondere die trashig-spaßigen Teile 3 und vor allem 4. Der Film ließ dann letztlich auch die größten Kritiker verstummen. Gefühlvoll lotet Stallone die Tiefen seiner Figur aus und gibt ihr das eher simpele Gemüt ihrer Anfangstage zurück. Weg vom Geschäftsmann, zurück zum leicht einfältigen Typen, der einfach sympathisch ist. Die Beziehung zum Film-Sohn wird thematisiert, Rockys Problem (welches auch Stallones ist) mit dem Älter werden und dieses Gefühl einen letzten großen Kampf noch in sich zu tragen. Auch die Einsamkeit des Protagonisten spiegelt Stallones ewige Suche nach Liebe und Anerkennung wieder, die ihn sein Leben lang begleitet hat. Das alles machte aus Rocky Balboa den Abschluss, den sich jeder gewünscht hatte. Ein toller Abgesang auf eine der großartigsten Figuren der Filmgeschichte.

Dann folgte John Rambo, der auch diese Figur zu einem Ende führte, mit dem sowohl Actionfans als auch Freunde der tragischen Figur des John Rambo leben konnten.

Am interessantesten für die Auferstehung der Action-Ikonen war jedoch das ambitionierte neue Projekt The Expendables, in dem Stallone etliche Actiongrößen unter seiner Regie (in der er über die Jahre zum rechten Meister wurde) vereinte und sie gemeinsam ein 80er-Revival-Abenteuer erleben ließ, das Seinesgleichen suchte. Jason Statham, Dolph Lundgren, Jet Li, damit lässt sich arbeiten. Und wenn man dann auch noch ein Zusammentreffen DER definitiven Titanen des Actionfilms Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis und Stallones selbst arrangieren kann, spricht das doch durchaus für ein gewisses Vertrauen in das Gelingen dieser Großtat. Und so kam es wie es musste, The Expendables wurde zu einer Erfüllung aller Tagträume von der großen vergangenen Epoche des Actionfilms, die ihre Auferstehung feierte. Ohne sich um Altersfreigaben zu scheren und mit vielen handgemachten Explosionen und Stunts beeindruckte der Film vor allem als wirkliches Old-School-Action-Revival.

Nicht lange danach wurde die Fortsetzung angekündigt und Arnold Schwarzenegger, sowie Bruce Willis sollten größere Rollen bekommen. Ebenfalls für den Film gewonnen wurden auch solch große Namen wie Jean-Claude van Damme und die Trash-Legende des Actionfilms Chuck Norris. Der Mann, der zweimal bis unendlich gezählt hat und dessen Tränen Krebs heilen. Stallone hatte es geschafft, er hatte sich wieder voll im Geschäft etabliert und der alten Action-Riege den Weg zu neuem Ruhm bereitet.

Arnold Schwarzenegger beendete neben seiner Ehe auch sein Amt als "Gouvernator" und wollte ebenfalls zurück auf die Leinwand. Derzeit ist er unter anderem mit Stallone für The Tomb, einen Thriller um einen Gefängnisausbruch, angekündigt. Auch Last Stand, ein Actionfilm um einen alternden Polizisten und Unknown Soldier sind angekündigt. Schwarzeneggers Rückkehr in seine Position als Actionheld scheint gesichert. Nicht zuletzt durch seine mittlerweile definitive Verpflichtung für Terminator 5, die Rückkehr in das Franchise dessen ultimativer Titelheld immer schon Schwarzenegger war. In welcher Form seine Rückkehr genau passieren wird, ist noch nicht gesichert, doch sicher ist "He IS back".

Auch Jean-Claude van Damme und Dolph Lundgren versuchten sich an der Rückkehr in Rollen, welche sie groß machten und standen gemeinsam für Universal Soldier Regeneration vor der Kamera, der 2009 Premiere feierte. Als vierter Teil der Reihe wurde er von vielen Seiten trotz des geringen Budgets als gelungener Beitrag zur Reihe gesehen und fand wieder mehr Anklang als die eher belächelten TV-Vorgänger. Derzeit ist ein weiterer Film der Reihe mit beiden Darstellern geplant, der unter dem vorläufigen Namen Day of Reckoning firmiert und bei dem John Hyams Regie führen soll.

Weiterer Rückkehrer in alte Muster ist vor allem Bruce Willis mit seinem fünften Beitrag zur Die Hard Reihe mit dem schönen Namen A good Day to Die Hard, der 2013 die Kinos erreichen soll.

Insgesamt scheinen also die alten Recken weiterhin bestens beschäftigt zu sein und die Renaissance der Actionfilme läuft auf Hochtouren. Dieses Phänomen lässt sich sicher am besten mit einem gewissen Hang zur Nostalgie erklären, der wohl allen Menschen innewohnt. Jedenfalls finden all diese Projekte bei Actionfans auf der ganzen Welt großen Anklang und die Freude über die Rückkehr der Jugend- und Kindheitshelden ist groß.

Selbst jüngere Semester kommen so in Kontakt mit den Kraftpaketen der 80er, welche bis heute nichts von ihrer Imposanz verloren haben. Es kommt nicht von Ungefähr, dass Filme wie Nimrod Antals Predators sich stark am Original-Predator von 1987 mit Schwarzenegger orientieren und nur wenig Wagnisse eingehen. Das Rezept von damals funktioniert auch heute noch und wenn Liam Neeson mit Taken (96 Hours) oder der bald folgenden Fortsetzung ebenso wie Dwayne "The Rock" Johnson mit Faster wie die Berserker scheinbar unbesiegbar durch die Ganovenhorden wüten, dann spiegelt dass den Allmacht-Gedanken, der hinter den alten Actionstreifen steckte, noch heute wieder. Diese Idee vom Über-Helden, der ohnehin am Ende triumphiert, wie geschunden er auch sein mag, reizt eben auch heute noch Testosteron-Junkies allerorts.

Und daran liegt es denke ich auch, dass wir am liebsten alles im Stile der guten alten Actionfilme belassen würden. Neue Filme mögen gut und schön sein, aber sind es nicht vor allem die Klassiker, die man immer wieder und wieder im TV schaut oder auf VHS, DVD oder BluRay rauskramt, um sich in diese Welt zu flüchten, in der Männer noch Männer waren und Gewalt die einzig legitime Lösung aller Probleme darstellte.

6.7.12 22:47

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