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American Pie Reunion Rezension

American Pie hat die Reihen schon immer gespalten. Damals wie heute heißt es zu dieser Reihe „kann man gut finden, muss man aber nicht“. Durch den teils infantilen Humor, der bisweilen auch in die Gefilde des heute so beliebten Fäkalhumors abdriftete, sind die Filme, wie auch ihr neuester Teil American Pie Reunion, durchaus Geschmackssache. Mir gefielen die alten drei Filme aus humoristischer Sicht überaus gut, aber auch die sympathischen Verlierer im Zentrum der Geschichte konnten durch vergleichsweise detaillierte Charakterzeichnung überzeugen. Ob sich das im neuesten Teil so fortsetzt, darum geht es im Folgenden. Die unsäglichen American Pie präsentiert…-Filme klammere ich hierbei definitiv aus, da sie mit den echten Filmen meines Erachtens nichts zu tun haben.

Inhalt:

Bei Jim und Michelle läuft es seit der Geburt ihres Sohnes im Bett nicht mehr so ganz rund. Überhaupt sind beide irgendwie aus dem Tritt geraten. Abhilfe schaffen soll da das anstehende Klassentreffen der ´99er Highschool-Abgänger. Mit den alten Freunden aus den glorreichen Jugendzeiten wollen sich die Ehepartner wieder auf Kurs bringen. Doch die Rückkehr in die Heimatstadt bringt sehr viel mehr Chaos mit sich, als es beiden lieb ist.

Kritik:

Zugegeben, die Story um das anstehende Klassentreffen klingt jetzt nicht unbedingt spektakulär. Doch um dieses Treffen an sich geht es im Film auch nur am Rande, vielmehr stehen Themen wie lebenslange Freundschaften, Zusammenhalt, die Verweigerung ans älter werden und die Frage danach, wie sich das Leben nach der Highschool verändert hat im Mittelpunkt. Dabei wird der Film mehr als einmal deutlich nostalgisch, was Fans der ersten Stunde allerdings wenig stören dürfte.

Bei den bekannten Figuren hat sich viel geändert und doch ist irgendwie alles beim Alten geblieben. Jim (Jason Biggs) ist weiterhin der grundsympathische Verlierer, bei dem irgendwie alles schiefgeht, was er anfasst. Trotzdem schafft er es, nicht zuletzt dank der Hilfe seiner Freunde, immer wieder alles irgendwie zum Guten zu wenden. Michelle (Alyson Hannigan) ist die gleiche, leicht naive, süße Person, die sie bereits in den Vorgängern war. Man muss sie einfach mögen. Oz (Chris Klein), der nach seiner Auszeit in American Pie 3 zurückkehrt, ist weiter dem Sport zugewandt und zeigt sich als gewissermaßen gescheiterter Star, der trotzdem bodenständig und sympathisch geblieben ist. Kevin (Thomas Ian Nichols) bleibt das liebenswürdige Herz der Gruppe, das sich mit eigenen Herzensangelegenheiten weiterhin schwer tut. Finch (Eddy Kaye Thomas) hat sich vom „Heimsch*****“ zum Globetrotter auf Selbstfindungstrip entwickelt und Stifler (Sean William Scott) ist zum Bürohengst mutiert.

Dass diese Figurenbilder im Laufe des Films im Angesicht der Vergangenheit aufgebrochen werden und keiner der Protagonisten wirklich erwachsen geworden ist, verleiht dem Film einen äußerst liebenswerten Zug. Irgendwo sind die Männer doch nur die Jungs von damals und geraten genauso in Schwierigkeiten wie schon zu Highschool-Zeiten. Stifler lässt das feiern nicht, Jim gerät immer wieder in sexuell anzügliche Unmöglichkeiten, Oz hängt seiner Jugendliebe plötzlich wieder total hinterher und überhaupt ist alles irgendwie wie früher. Die Suche nach der verlorenen Jugend könnte der Untertitel unter all dem Treiben wohl lauten und er würde den Kern treffen. Ebenso nostalgisch wie die Jungs geht es dem Zuschauer, für den sich Reunion wie eine Rückkehr nach Hause anfühlt. Seit 1999 hat sich einfach nicht viel verändert. Die Schauplätze sind größtenteils irgendwo die gleichen, die Leute sind alle wieder da und die Gags strotzen nur so vor Anspielungen auf die ersten drei Filme. Aber auch die Nebenfiguren sind wieder dieselben wie damals. Es ist wirklich absolut beeindruckend, wie man den gesamten Cast von früher wieder vereinen konnte. Vicky (Tara Reid), Heather (Mena Suvari), der Sherminator (Chris Owen), Jim´s Dad (Eugene Levy), Stifler´s Mum (Jennifer Coolidge), die MIGF-Typen (John Cho und Justin Isfeld), ja sogar Nadja (Shannon Elisabeth) ist zurückgekehrt. Einige für größere, andere nur für kleinere Cameo-Auftritte. Trotzdem ist der gesamte Trupp wieder da und das unterstützt dieses Zuhause-Gefühl absolut. Wenn die ganzen alten Bekannten immer wieder auftauchen und durchs Bild huschen ist das einfach schön. Als Mensch, der mit American Pie quasi aufgewachsen ist, möchte man sie alle auch absolut nicht missen. Es fühlt sich fast an, als wäre es das eigene Klassentreffen und Wiedersehen mit alten Freunden.

Aus dieser Nostalgie schöpft der Film natürlich seine größte Stärke. Wer damals mit American Pie nichts anfangen konnte oder wer nicht mit den Filmen aufgewachsen ist, der wird viel von dem Charme des Films gar nicht nachvollziehen oder erfassen können. Die Generation heute mit Hangover, oder Filmen wie Projekt X ist härtere Fahrwasser gewöhnt. Dagegen ist der Humor von Reunion fast schon kindisch-infantil, trotzdem trifft er den Ton von damals absolut. Wer damals viel gelacht hat, wird sich auch heute sicher gut amüsieren, wem damals die Mundwinkel nicht zuckten, der wird sicherlich auch jetzt kaum mehr als ein Kopfschütteln für den Humor übrig haben. Die Lacher gehen damals wie heute natürlich größtenteils auf die Konten von Stifler und Jim´s Dad, die mit ihrem derben Humor bzw. den unangemessenen sexuellen Ratschlägen zwar auch für Fremdschämen sorgen, aber zünden tun sie trotzdem meist. Fast alle anderen Figuren bekommen jedoch auch ihre lustigen Momente und auch die wenigen Neuzugänge im Cast fügen sich hier gut ins Gesamtbild ein. Besonders prägnant ist ein ziemlich lustiger Cameo-Auftritt von Neil Patrick Harris als Moderator des Dance-Off, der verdächtig an seine Rolle als Barney Stinson in der Sitcom How i met your mother erinnert.

Negativ fallen vor allem der zu Beginn recht zähe Erzählfluss und die immer wieder auftauchenden Längen auf, mit denen der Film zu kämpfen hat. Wenn die Action wieder losgeht und die Gags rausgefeuert werden, dann macht das Zuschauen wirklich viel Spaß, aber dazwischen gibt es teilweise Stellen an denen man sich fragt, wann wohl der nächste Witz kommt. Auch wenn diese Szenen der sympathischen Charakterzeichnung meist zugute kommen, wäre hier vielleicht weniger mal wieder mehr gewesen. Mit etwas strafferer Handlung und vielleicht nur 100 Minuten Laufzeit hätte der Film viele Längen vermeiden können und würde insgesamt sicher runder wirken.

Ansonsten gibt es kaum Kritikpunkte. Klar ist der Humor teils sehr derb oder halt wie gesagt infantil, aber das gehört einfach dazu. Wer mit American Pie nie warm wurde, sollte auch um diesen Film einen großen Bogen machen. Mehr braucht man dazu nicht sagen.

Fazit:

American Pie Reunion präsentiert sich als waschechte Fortsetzung zur Erfolgsreihe von 1999-2003. Der Film hält die Tugenden der alten Filme hoch und zeichnet so die sehr sympathischen Figuren gut weiter, fügt neue Facetten hinzu und bleibt dabei nachvollziehbar. Auch der Humor hat sich kaum geändert, es wechseln sich kleinere Gags mit großen Brüllern ab und Freunde dieser Art des Humors werden viel zu lachen haben. Zugleich spielt dem Film halt ein gigantischer Nostalgie-Faktor in die Karten, der dieses Gefühl des „nach Hause kommens“ immer wieder aufkommen lässt. Die Figuren, die einem damals ans Herz gewachsen sind, tauchen praktisch alle wieder auf und die Freude über jedes bekannte Gesicht ist groß. Wer nie etwas mit American Pie anfangen konnte, wird auch heute nicht bekehrt werden, aber es ist ja auch niemand gezwungen sich zum Klassentreffen anzumelden.

Ich gebe dem Film als definitiver Freund der American Pie Reihe

8/10 Punkte,

weil er mich mit seinem großartigen Charme, der Nostalgie und den weiterhin grundsympathischen Figuren absolut begeistert hat. Der Film wird sicher nicht jedem gefallen und auch heute ist und bleibt American Pie eine Frage der eigenen Vorlieben. Doch wer wie ich mit den Filmen aufgewachsen ist, wird definitiv bestens bedient. Es ist also wie so oft eine Frage des Blickwinkels, wobei ich mich hier klar FÜR den Film aussprechen möchte und eine Empfehlung ausspreche.

6.7.12 23:23

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Tanja Jendraschek (7.7.12 16:30)
Super Kritik. Jetzt freue ich mich noch mehr darauf das der Film endlich in der Videothek steht

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