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Die rabenschwarze Geburt eines Genres - Night of the Living Dead

 

Wenn vom Genre der Zombiefilme die Rede ist, kommt jedem Kenner ein Name sofort in den Sinn: George A. Romero. Und eben dieser Mann war es, der dieses Genre 1968 mit seinem Low-Budget Horrorfilm Night of the Living Dead erst aus der Taufe hob. Und obgleich der Zombie an sich bereits lange zuvor in Film und anderen Medien aufgetaucht ist, ist es erst Romeros eigenwillige Uminterpretation des Zombies zum Menschenfressenden, eigenständig agierenden Monstrum, die das Genre bis heute ausmacht. Der Film, welcher noch Jahrzehnte später als Kult-Klassiker gehandelt und von Millionen von Filmfreunden bis heute hoch geschätzt wird, hat nichts von seiner Faszination verloren. Romeros Werk, das seit 1999 sogar im National Film Registry als erhaltenswertes Kulturgut eingetragen ist und mit einem Budget von nur 114.000 $ realisiert wurde, gilt selbst über 40 Jahre nach seinem Entstehen noch als Meilenstein der Filmgeschichte. Doch woher rührt diese Anziehungskraft? Ich werde versuchen, mich diesem Film ein wenig zu nähern.

Inhalt:

Johnny und seine Schwester Barbara besuchen das Grab ihres Vaters auf einem Friedhof auf dem Land, als sie plötzlich von einem Mann attackiert werden. Dieser ringt mit Johnny und stößt ihn zu Boden, wo er regungslos liegen bleibt, nachdem er sich den Kopf an einem Grabstein angestoßen hat. Barbara flüchtet vor dem Mann, der sie nun verfolgt. Nachdem sie mit knapper Not in ein scheinbar verlassenes Farmhaus entkommen konnte, sieht sie sich mit einer gänzlich neuen Situation konfrontiert. Wenig später kommt der Afroamerikaner Ben hinzu, welcher sie unterstützt. Doch wie sollen die zwei sich gegen die stetig wachsende Meute der nach Menschenfleisch gierenden Untoten wehren, die sich um das Haus schart? Ein verzweifelter Kampf ums Überleben beginnt..

Kritik:

Um einen solchen Film zu rezensieren ist es unerlässlich sich um dessen Eigenarten zu kümmern. Hier sind es insbesondere die für einen Horrorfilm untypisch gut gezeichneten Figuren, die deutlichen gesellschaftskritischen Aspekte und die ungeheuer dichte Inszenierung, die viel vom Charme dieses Werkes ausmachen. Von daher wird darauf auch im Folgenden der Fokus liegen.

Figuren und gesellschaftskritische Aspekte:

Die Grundkonstellation des Films ist regelrecht Kammerspielartig aufgebaut. Sämtliche Protagonisten des Filmes finden sich letztlich in dem kleinen Haus ein, in dem auch nahezu die gesamte Handlung des Films abläuft. Neben den beiden recht früh feststehenden Figuren der Barbara und des Ben kommen nach einiger Zeit einige weitere Überlebende hinzu, die die Gruppe vervollständigen. In dieser Zusammensetzung sieht sich die kleine Schar einer schier übermächtigen Gefahr gegenüber. Doch es sind weniger die Untoten vor dem Haus als vielmehr die Lebenden innerhalb, die zur eigentlichen Gefahr werden.

Romero gelingt es, die Figuren derart zu dynamisieren und in ihrer Beziehung zueinander so aneinander reiben zu lassen, dass die Spannung im Laufe des Films stetig ansteigt, bevor sie sich im Finale gnadenlos entlädt. Dabei steigt die Spannung durch die unterschiedlichen Handlungsebenen sowohl in Bezug auf die Ereignisse im Haus, als auch im Bezug auf die außerhalb des Hauses. Während die Zombies die meiste Zeit auf ihre Chance lauern, der Insassen des Gebäudes habhaft zu werden und dabei lediglich eine Art Hintergrundbedrohung bilden, ist es vor allem die finstere Stimmung hinter den verschlossenen Türen und vernagelten Fenstern, die zu brodeln beginnt.

Die Figuren werden von ihren Darstellern überzeugend verkörpert und wirken dadurch, insbesondere gemessen an den typischen, eher platten, üblichen Horror-Protagonisten anderer Filme, angenehm lebendig. Es fällt als Zuschauer nicht schwer, eine gewisse Bindung zu den handelnden Personen aufzubauen. Durch die in Form weniger, doch gut gesetzter, Akzente eingebrachten Charakterisationen gewinnen die Figuren an Substanz, die spüren lässt, dass es nicht einfach nur um den Horror durch die bösartigen Untoten geht. Es geht natürlich um das Überleben, doch es ist kein Zufall, dass es letztlich der nach damaligen Maßstäben unangepassteste der Handlungsträger, der Afroamerikaner Ben, ist, der sich am vehementesten gegen die anströmenden Massen zur Wehr setzt. Wie ein Spiegel der Gesellschaft, spielt Romero mit Vorurteilen und der Idee der Massenkonformität, der sich kleine Minderheiten entgegenstellen. Gesellschaftskritisch gesehen kann der Film auf einer Ebene überzeugen, die ihre Aktualität nie verlieren wird. Das gibt Night of the Living Dead das Zeitlose, was noch heute daran geschätzt wird.

Die Zombies selbst sind nach heutigen Maßstäben lachhaft minimalistisch dargestellt, treffen aber in ihrer Präsentation im Grunde exakt den Kern dieser Monstren, der sie immer ausgemacht hat. Sie bewegen sich schlurfend, hinkend, quälend langsam, doch stets von unstillbarem Hunger getrieben, voran. Dabei sind sie von Kugeln und Hieben nicht zu beeindrucken. Die bis heute in den Genrekonventionen fest verankerten Hausmittel gegen Zombies werden jedoch hier bereits etabliert. Romeros Untote fürchten sich vor Feuer und sind auch äußerst brennbar, dazu vertragen sie keine harten Schläge auf den Kopf. Treffer aus einer beliebigen Schusswaffe ins Nervenzentrum sind ebenfalls eine effektive Art, ihnen den Garaus zu machen. Der langsam, aber auf Dauer sicher tödliche Biss des Zombies feiert auch hier bereits seine Premiere und dass die Verwandlung danach schnell und vollständig über die Bühne geht, ist ebenfalls erhalten geblieben. So sind die Zombies, welche sich bis heute kaum verändert haben, im Grunde schon damals ein Abbild Lebenskraft – ja – Fleisch konsumierender Gleichheit, die sich in quälend langsamen Tempo über die gesamte Menschheit auszubreiten sucht. Und wie wehrhaft sich die kleine Gruppe auch gegen diese Form der Assimilation stellt, der Kampf scheint aussichtslos, der Weg in die Arme der Masse unausweichlich.

Inszenierung:

Inszenatorisch gibt sich Romero keine Blöße. Der Film ist meisterhaft gefilmt und strotzt nur so vor genialen Einstellungen. Wenn beispielsweise Todesszenen oder Tötungen passieren, gelingt es ihm, den Fokus stets auf Täter und Opfer zu halten und die Tat selbst zur Nebensache werden zu lassen. Dadurch wird die Bindung zur Figur auch über die Kamera aufrecht erhalten und die Aufnahme selbst distanziert sich vom Geschehen. Während Romero dieses Schema den gesamten Film über aufrecht erhält, sind die Konsequenzen des Handelns der Figuren zwar immer auch Thema, jedoch nie Selbstzweck. Die Zombies werden zwar abgewehrt oder auch endgültig getötet, doch die teilweise recht blutrünstig inszenierte Tat rückt stets in den Hintergrund, der Täter, dem oft der Schrecken ins Gesicht geschrieben steht, bleibt im Zentrum des Interesses.

Ein Beispiel für den genialen Einfallsreichtum in der Inszenierung ist die Idee der Aufnahme innerhalb der Aufnahme, wenn die Figuren später einen Fernseher in Gang setzen. Dabei ist die Kamera so postiert, dass sie den Rahmen des Fernsehers im Bild hat und das Geschehen innerhalb des Fernsehers verfolgt. Während sich die Kamera außerhalb des TV-Bildes dann nicht bewegt, kann es trotzdem passieren und wird auch so inszeniert, dass das Bild im Bild auf dem Fernseher trotzdem eine Kamerabewegung beschreibt. Diese unvergleichliche Dynamisierung des Bildes innerhalb der statischen Kameraeinstellung sucht ihresgleichen und ist bis heute vielzitiertes Stilmittel.

Doch auch andere Einstellungen sind oftmals von mitunter tollen Einfällen geleitet. So gibt es später das eine Szene, gefilmt aus dem Inneren eines stehenden Trucks, aus dem sich die Untoten an einer Leiche bedienen. Die Leiche selbst ist nur als Andeutung zu sehen, doch die Parallele zu einer Selbstbedienungstheke wird erst durch diesen genialen Shot möglich. Solche Spielereien gönnt sich Romero über die gesamte Laufzeit des Filmes und vermittelt so seine Botschaft zugleich über die Handlung und über die Gestaltung des Bildes selbst. So sieht es aus, wenn ein Regisseur weiß, was er mit seinem Film sagen will und auch weiß, wie er es über das Bild zum Ausdruck bringt. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Film auch trefflich ohne Dialoge funktionieren würde. Die stets angemessene und gut gesetzte Beleuchtung tut ihr Übriges bei der gelungenen Gestaltung der Bilder.

Die Musik hingegen unterstützt die bedrohliche und düstere Grundstimmung, die den gesamten Film über aufrecht erhalten wird noch zusätzlich. Der finstere Score, komponiert von William Loose, stützt die Bilder und das Geschehen gekonnt und wirkt hervorragend. Ohne sich in den Vordergrund zu drängen oder aufdringlich zu wirken ist er doch stets präsent und verursacht ein stetes Unbehagen beim Zuschauer. So sollte ein Score in einem solchen Film sein, was leider heutzutage viel zu selten der Fall ist. In der Regel verlassen sich Filme heute viel zu sehr darauf, dass der Sound die Szenerie bestimmt und mit lauten Effekten dominiert, anstatt sie zu stützen und voranzutragen.

Kritikpunkte sind bei diesem Werk praktisch nicht vorhanden. Die enorm dichte Stimmung, geniale Inszenierung und interessante Handlung mit gutem Spannungsbogen lassen keine Langeweile aufkommen. Nach heutigen Maßstäben sieht man dem Film natürlich sein Alter an, die Zombies sind eher unfreiwillig komisch und viele der damals absolut innovativen Ideen haben sich im Laufe der Jahre über alle Maße insbesondere im Horrorgenre abgenutzt. Trotzdem, wenn man sich auf die Stimmung und die Geschichte ein- und sich einfach fallen lässt, entfaltet Night of the Living Dead auch heute noch eine morbide Faszination, die einen so schnell nicht mehr loslässt.

Fazit:

Als Meilenstein des Horrorgenres und zugleich Urvater eines der bis heute beliebtesten Subgenres, dem Zombiefilm, macht Night of the Living Dead auch heute noch eine hervorragende Figur. Die Stimmung ist zutiefst bedrückend, der Score unterstützt diese und die hervorragende Kameraarbeit und der geniale Schnitt tun ihr Übriges. Da stören die heute fast lächerlich wirkenden Untoten oder die natürlich in die Jahre gekommenen Effekte wenig, wenn man bereit ist, sich von dem Film gefangen nehmen zu lassen. Romeros Erstling ist ein regelrechtes Meisterwerk glorreicher Handwerkskunst, der auf allen Ebenen funktioniert und bis heute in diesem Genre nur selten erreicht wurde (und wenn, dann im Regelfall von Romero selbst in einer der mittlerweile 5 Fortsetzungen).

Wer bereit ist, sich von seinem Blick durch die Effektbrille nicht für das Wesentliche blind machen zu lassen und sich einfach offen für den Film zeigt, wird sicherlich nicht enttäuscht und bekommt einen genialen kleinen Streifen präsentiert, den eigentlich jeder Filmfreund zumindest einmal gesehen haben sollte.

Von mir bekommt Night of the Living Dead volle

10/10 Punkte,

weil er mich einfach umgehauen und über alle Maße begeistert hat. Auf allen Ebenen stimmt es hier und der Film unterhält nicht nur von vorne bis hinten, er bietet auch etwas für den Kopf und für das gewillte Auge eines Filmfreundes. Somit spreche ich ihr eine klare und sehr deutliche Empfehlung für dieses, und ich scheue mich nicht das Wort hier noch einmal zu benutzen, Meisterwerk aus und hoffe, ich konnte den einen oder anderen dazu bringen, dem Film auch heute noch eine Chance zu geben.

11.7.12 13:34

Letzte Einträge: Back in the Saddle..., Asterix der Gallier und Horrorfilme (inklusive Kurzreviews)

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